Martin Gawron
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3 min Lesezeit Feb 25, 2025

Barrierefreiheits­stärkungs­gesetz (BFSG) 2025: Was jetzt auf Sie zukommt

Einleitung: Der Countdown läuft

Für viele Website-Betreiber ist der 28. Juni 2025 nur ein Datum im Kalender. Doch für eine große Zahl an Unternehmen markiert dieser Tag eine Zeitenwende im deutschen Internetrecht. An diesem Tag tritt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) voll in Kraft.

Was sperrig klingt, hat handfeste Konsequenzen: Wer ab diesem Stichtag digitale Dienstleistungen oder Produkte anbietet, die nicht für Menschen mit Behinderungen zugänglich sind, riskiert nicht nur Abmahnungen, sondern empfindliche Bußgelder bis zu 50.000 Euro.

In diesem Artikel klären wir auf: Wen trifft es wirklich? Was genau bedeutet "barrierefrei"? Und warum ist dieses Gesetz eigentlich eine riesige Chance für Ihr Business, die Sie nutzen sollten?

Wen betrifft das BFSG?

Viele Kleinunternehmer wiegen sich in falscher Sicherheit ("Ich bin ja kein Konzern"). Doch das Gesetz fasst den Kreis der Betroffenen sehr weit.

Sie sind definitiv betroffen, wenn Sie:

  • Einen Online-Shop betreiben (E-Commerce).
  • Dienstleistungen elektronisch anbieten (z.B. Terminbuchungstools, Online-Banking, Telekommunikation).
  • Hardware wie Selbstbedienungsterminals oder Ticketautomaten aufstellen.

Ausnahmen: Kleinstunternehmen (weniger als 10 Mitarbeiter UND weniger als 2 Mio. € Jahresumsatz) sind teilweise von bestimmten Pflichten befreit, wenn die Umsetzung eine "unverhältnismäßige Belastung" darstellen würde. Aber Vorsicht: Sobald Sie physische Produkte verkaufen, greifen oft strengere Regeln. Und: Dienstleistungen, die Sie für Dritte erbringen (z.B. als Agentur für einen großen Kunden), müssen zwingend konform sein.

Was bedeutet "Barrierefreiheit" technisch? (WCAG Standards)

Barrierefreiheit (Accessibility) bedeutet nicht nur, dass man die Schriftgröße ändern kann. Es geht darum, dass jeder Mensch Ihre Seite nutzen kann – egal ob blind, gehörlos, motorisch eingeschränkt oder kognitiv beeinträchtigt. Das Gesetz orientiert sich an den internationalen WCAG 2.1 AA Standards.

Die 4 Säulen der Barrierefreiheit:

  1. Wahrnehmbarkeit:

    • Bilder: Jedes Bild, das eine Information trägt, braucht einen "Alt-Text" (Alternativtext), den ein Screenreader vorlesen kann.
    • Kontraste: Hellgraue Schrift auf weißem Grund ist tabu. Das Kontrastverhältnis muss mindestens 4.5:1 betragen.
    • Videos: Brauchen Untertitel für Gehörlose.
  2. Bedienbarkeit:

    • Tastatur: Versuchen Sie einmal, Ihre Website ohne Maus zu bedienen. Kommen Sie mit der Tab-Taste zu jedem Button? Können Sie das Menü öffnen? Wenn nein: Durchgefallen.
    • Zeit: Pop-ups, die nach 5 Sekunden verschwinden, sind eine Barriere.
  3. Verständlichkeit:

    • Sprache: Fachchinesisch vermeiden. Fehlermeldungen müssen klar sagen, was falsch ist ("Bitte geben Sie eine gültige E-Mail ein" statt "Error 505").
    • Konsistenz: Die Navigation sollte auf jeder Unterseite gleich aussehen.
  4. Robustheit:

    • Der Code muss sauber programmiert sein (HTML5-Validität), damit er auch mit zukünftigen Technologien (z.B. neuen Screenreadern) funktioniert.

Eine minimalistische Vektor-Grafik auf weißem Hintergrund, die Icons für Blindheit (Auge durchgestrichen), Gehörlosigkeit (Ohr durchgestrichen) und motorische Einschränkung (Hand mit Verbotsschild). Stil: Clean, modern, Accessibility Blue. style: photorealistic, cinematic lighting, highly detailed, 8k resolution, depth of field

Warum Barrierefreiheit mehr ist als nur Pflicht

Viele sehen das BFSG als lästige Bürokratie. Ich lade Sie ein, die Perspektive zu wechseln. Barrierefreiheit ist einer der stärksten Qualitätshebel für Ihre Website.

1. Größere Zielgruppe

In Deutschland leben ca. 10 Millionen Menschen mit einer anerkannten Behinderung. Dazu kommen Millionen ältere Menschen, deren Sehkraft nachlässt ("Silver Surfer"). Wenn Ihre Website nicht barrierefrei ist, schließen Sie 15-20% der Bevölkerung aktiv als Kunden aus. Das können Sie sich nicht leisten.

2. Der SEO-Booster

Google ist im Grunde der größte blinde Nutzer der Welt. Der Google-Bot sieht keine Bilder, er liest Code.

  • Eine logische Überschriftenstruktur (H1, H2, H3), die für Screenreader wichtig ist, liebt auch Google.
  • Alt-Texte bei Bildern helfen Ihrem Ranking in der Bildersuche.
  • Klare Navigation senkt die Absprungrate.

Fazit: Was gut für Menschen mit Behinderung ist, ist fast immer gut für Ihr Google-Ranking.

3. Usability für alle

Haben Sie schon mal versucht, bei hellem Sonnenlicht auf dem Handy eine Website zu lesen? Dann profitieren Sie von hohen Kontrasten. Haben Sie schon mal ein Video im Bus ohne Ton geschaut? Dann profitieren Sie von Untertiteln (Captions). Barrierefreiheit macht das Erlebnis für alle Nutzer besser.

Eine fotorealistische Goldwaage. Auf der linken Schale liegt ein Gesetzbuch (Rechtssicherheit), auf der rechten Schale Goldmünzen und ein Google-Logo (Umsatz & SEO). Beide Schalen sind perfekt im Gleichgewicht. Hochwertiger Studio-Hintergrund. style: photorealistic, cinematic lighting, highly detailed, 8k resolution, depth of field

Handlungsplan: Wie Sie bis Juni 2025 compliant werden

Warten Sie nicht bis zum letzten Tag. Eine Website-Überarbeitung braucht Zeit.

  1. Status-Quo-Analyse (Audit): Nutzen Sie Tools wie "Lighthouse" (in Chrome integriert) oder "WAVE", um einen ersten automatisierten Check zu machen. Aber Achtung: Diese Tools finden nur ca. 30% der Fehler.
  2. Manueller Test: Versuchen Sie, Ihre Top-3-Prozesse (z.B. Checkout, Kontaktformular) nur mit der Tastatur zu durchlaufen.
  3. Technische Anpassung: Sprechen Sie mit Ihrem Webentwickler. Oft sind es Kleinigkeiten im Code (fehlende aria-labels, falsche Farben), die schnell behoben sind.
  4. Erklärung zur Barrierefreiheit: Ähnlich wie das Impressum müssen Sie bald eine Erklärung auf der Seite haben, wie barrierefrei Ihr Angebot ist und wo man Probleme melden kann.

Wie ich Sie unterstützen kann

Das Thema wirkt technisch komplex und juristisch einschüchternd. Lassen Sie uns das entwirren. Ich biete Ihnen kein teures Rechtsgutachten, sondern eine pragmatische technische Lösung.

Mein BFSG-Paket umfasst:

  • Vollständiges Audit Ihrer bestehenden Seite nach WCAG 2.1 AA.
  • Priorisierte Liste der Mängel (von "Kritisch" bis "Schönheitsfehler").
  • Direkte Umsetzung der Code-Anpassungen.
  • Design-Beratung, falls Farben angepasst werden müssen, ohne Ihre Markenidentität zu verlieren.

Machen Sie Ihre Website zukunftssicher. Sprechen wir darüber.

Offene Fragen?

Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen. Wenn Sie unsicher sind, was das konkret für Ihr Projekt bedeutet: Melden Sie sich einfach. Ich helfe gerne weiter, wo ich kann.